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Ratgeber · Lampenfieber

Lampenfieber überwinden: Was ich auf der Bühne gelernt habe.

Vier Strategien aus Theater, Film und Training, die die Aufregung kleiner machen. Nicht weg, aber beherrschbar.

Von

Präsentationstrainerin und Schauspielerin

Aktualisiert am · 6 Min. Lesezeit

Rednerin auf der Bühne vor einem großen Publikum, von hinten fotografiert

Kurz gesagt

Lampenfieber lässt sich nicht abschalten, aber deutlich verkleinern. Am meisten hilft: den Text so oft laut durchgehen, bis er sitzt, die Aufregung als normale Reaktion annehmen, den Fokus vom eigenen Ich auf Thema und Publikum lenken und klären, in welcher Rolle Sie sprechen. Ich habe selbst bis heute Lampenfieber, nur ist es viel kleiner geworden.

Kapitel 1

Was Lampenfieber ist und warum es normal ist

Lampenfieber ist die Aufregung vor und während eines Auftritts: vor Publikum, vor der Kamera, im Meeting mit der Geschäftsführung. Die Angst, vor anderen zu sprechen, gehört zu den häufigsten Ängsten überhaupt. Sie betrifft Berufseinsteiger genauso wie erfahrene Führungskräfte. Und Schauspielerinnen.

Sich vor fremde Menschen zu stellen und etwas von sich zu zeigen, ist keine alltägliche Situation. Dass der Körper darauf reagiert, ist folgerichtig. Die typischen Signale:

Blick von der Bühne in einen leeren Theatersaal mit roten Sitzen und Scheinwerfern
  • Herzklopfen
  • Zittrige Stimme
  • Trockener Mund
  • Angst vor dem Blackout
Kapitel 2

Wo die Nervosität beginnt

Bevor ich mit jemandem an Lampenfieber arbeite, frage ich: An welchem Punkt kommt das Gefühl? Denn es gibt sehr unterschiedliche Momente, in denen es plötzlich heißt: „Oh nein.“

  • 01

    Lange vorher

    Bei den meisten beginnt es schon Tage vorher. Oft wirkt ein altes Erlebnis nach, ein Satz wie „Das kannst du nicht.“

  • 02

    Beim Einstieg

    Die ersten Sätze sind die unsichersten, solange nicht klar ist, was genau ich sage.

  • 03

    Mittendrin

    Wer spürt, das Publikum zu verlieren, wird nervös. Dabei ist genau dieses Gespür eine Stärke, mit der man arbeiten kann.

Je nachdem, wo das Lampenfieber sitzt, hilft etwas anderes. Die folgenden vier Strategien setze ich in meinen Trainings gezielt ein.

Kapitel 3

Strategie 1: Wiederholen, bis es sitzt

Der pragmatischste Hebel ist zugleich der wirksamste. Meine Erfahrung von der Bühne: Ab etwa dem 20. Durchlauf verändert sich mein Lampenfieber, ab dem 50. kommt eine echte Souveränität.

In der Wirtschaft ist selten Zeit für 50 Proben. Aber das Prinzip gilt: Sicherheit entsteht, wenn klar ist, was ich als Nächstes sage. Und zwar bevor ich anfange zu sprechen.

Vor dem Auftritt muss klar sein:

  • der erste Satz, der zehnte und der zwanzigste
  • das Ziel dessen, was ich sage
  • meine Motivation für diesen Auftritt
Kapitel 4

Strategie 2: Die Aufregung annehmen

Lampenfieber ist kein persönliches Versagen, sondern eine normale Reaktion auf eine ungewöhnliche Situation. Zu glauben, es müsste sich normal anfühlen, vor vielen Menschen zu sprechen, ist absurd.

Wer das akzeptiert, kämpft nicht mehr gegen das Gefühl an. Es darf sich komisch anfühlen. Und gleichzeitig können Sie gut sein.

Dazu kommt die Erfahrung: Jedes Mal, wenn ich trotz Lampenfieber geliefert habe, ist das Vertrauen gewachsen. Das kommt nicht über Nacht, aber es kommt.

Ein Satz, der mir sehr geholfen hat:

Es ist doch auch nur der Applaus deines Herzens. Lass es doch applaudieren.

Kapitel 5

Strategie 3: Den Fokus aufs Thema legen

Eine Dozentin im Schauspiel hat mir gesagt: „Konzentriere dich auf den Konflikt der Figur.“ Übertragen auf die Präsentation heißt das: Wer ganz beim Thema ist, hat keinen Raum für Lampenfieber.

Als Coachin habe ich später verstanden, dass Fokus und Wahrnehmung nicht dasselbe sind. Liegen beide beim Gegenüber, verliere ich mich. Getrennt werden sie zum Werkzeug:

  • Ich nehme wahr, wie ich stehe, wie ich spreche und wie der Raum reagiert. Das hält mich im Jetzt.

  • Meine Aufmerksamkeit gilt dem, worum es geht, und den Menschen vor mir. Nicht der Frage, wie ich gerade wirke.

  • Es geht nicht um mich und nicht um die Person da drüben, sondern um das, was dazwischen passiert. Wenn ich meinen Fokus auf das Wie lege und nicht nur auf das Was, verändert sich viel.

Im Wort Präsentation steckt das lateinische praesens: gegenwärtig. Wer präsentiert, ist im Jetzt. Je schärfer meine Wahrnehmung, desto besser kann ich mein Publikum im Verstehen begleiten. Das ist Übung, ein Muskel, ein Handwerk.

Kapitel 6

Strategie 4: Klären, in welcher Rolle Sie sprechen

Für mich einer der stärksten Hebel im Business: zu trennen, wer hier eigentlich spricht. Sie als Person sind das eine. Sie in Ihrer Funktion, als Vertreterin Ihres Unternehmens oder als Führungskraft, haben ganz andere Aufgaben.

Viele Fragen, die Lampenfieber auslösen, stellt die Person, nicht die Rolle. In der Rolle ist das Lampenfieber oft kleiner, weil die Aufgaben klar sind. Ich erlebe immer wieder, wie sich Lampenfieber in dem Moment verändert, in dem klar ist, in welcher Funktion jemand vorne steht.

Vier Fragen vor dem nächsten Auftritt

  1. 01In welcher Funktion stehe ich hier?
  2. 02Wer ist mein Gegenüber?
  3. 03Was ist das Ziel dieses Auftritts?
  4. 04Ist mein persönlicher Antreiber größer als meine Motivation in der Rolle?

Die letzte Frage ist wichtig: Wird der persönliche Antreiber größer als die Motivation in der Rolle, entsteht eine Überidentifikation. Dann erreiche ich das Publikum nicht mehr, und genau das macht nervös.

Kapitel 7

Sofort-Hilfe: Was kurz vor dem Auftritt hilft

Wenn die Präsentation in einer halben Stunde beginnt, helfen diese fünf Schritte:

Mikrofon am Rednerpult vor einem Publikum im Saal
  1. Den Einstieg sicher haben

    Die ersten Sätze kennen Sie auswendig. Sie tragen Sie durch die unsicherste Phase.

  2. Im Raum ankommen

    Nehmen Sie den Raum wahr, bevor Sie sprechen: den Boden unter den Füßen, das Licht, die Menschen vor Ihnen.

  3. Lang ausatmen

    Lassen Sie den Atem bewusst lang ausströmen. Das beruhigt und gibt der Stimme Halt.

  4. Die Rolle benennen

    Sagen Sie sich innerlich, in welcher Funktion Sie gleich sprechen.

  5. Den Fokus nach außen richten

    Denken Sie an das, was Ihr Publikum mitnehmen soll, nicht daran, wie Sie wirken.

Und wenn am Ende Applaus kommt: Er sagt wenig darüber, ob Ihr Publikum verstanden hat, was Sie sagen wollten. Fragen Sie lieber nach, was angekommen ist.

Kapitel 8

Wann ein Training hilft

Mit all diesen Punkten arbeite ich auch im Training. Zuerst schaffen wir über Wiederholung Sicherheit und Aha-Erlebnisse, damit Sie spüren, dass das, was Sie sagen, wirkt.

Manchmal steckt hinter dem Lampenfieber ein früheres Erlebnis, das noch nachwirkt. Dann setze ich ein kurzes Coaching ein, um Person und Rolle sauber zu trennen.

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Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Lampenfieber.

Ihre Frage ist nicht dabei?

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Kann man Lampenfieber ganz loswerden?

Meist nicht, und das ist auch nicht nötig. Ziel ist, dass die Aufregung kleiner wird und Sie trotzdem souverän liefern. Ich habe selbst bis heute Lampenfieber, nur viel weniger als früher.

Was hilft kurz vor einer Präsentation gegen Nervosität?

Den Einstieg sicher kennen, kurz im Raum ankommen, lang ausatmen und den Fokus auf Thema und Publikum richten statt auf die eigene Wirkung.

Wie oft sollte ich eine Präsentation üben?

So oft, bis klar ist, was als Nächstes kommt. Meine Erfahrung von der Bühne: Ab etwa 20 Durchläufen verändert sich das Lampenfieber spürbar. Wichtig ist, laut zu üben und nicht nur im Kopf.

Ist Lampenfieber ein Zeichen, dass ich nicht gut präsentieren kann?

Nein. Lampenfieber ist eine normale Reaktion auf eine ungewöhnliche Situation und sagt nichts über Ihr Können aus. Auch erfahrene Schauspielerinnen und Schauspieler kennen es.

Hilft ein Präsentationstraining gegen Lampenfieber?

Ja, wenn es an Ihren echten Situationen ansetzt. Im Training arbeiten wir mit Wiederholung, Wahrnehmung und der Klärung Ihrer Rolle, damit Sicherheit aus Erfahrung entsteht.

Kontakt

Lampenfieber im Team? Sprechen wir darüber.

Lucia Peraza Rios, Portrait

Lucia Peraza Rios

Präsentationstrainerin

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